Neue Therapieempfehlungen für Lungenfibrose

Die Empfehlungen zur Behandlung der idiopathischen Lungenfibrose (IPF) sind neu bewertet worden. Hintergrund dafür ist eine Reihe von neuen Therapiestudien, die eine Überarbeitung der Leitlinie notwendig machten. In ihrer Neubewertung stufen die Gutachter einige Medikamente als nicht geeignet ein, eindeutig positiv sprechen sie sich dagegen für die Behandlung mit Nintedanib und Pirfenidon aus. Das Update wurde als Ergänzung zur ursprünglichen Leitlinie veröffentlicht.

Die Leitlinie für die idiopathische Lungenfibrose war 2013 veröffentlicht worden. Seither sind die Ergebnisse einer ganzen Reihe von Therapiestudien mit zum Teil großen Patientenzahlen hinzugekommen. Entsprechend haben die Fachgesellschaften nun die Empfehlungen zur Behandlung dieser schweren interstitiellen Lungenerkrankung angepasst.

Das Wichtigste in Kürze:

Die Dreifachtherapie aus Prednisol, Azathioprin und Acetylcystein wird als nicht geeignet eingestuft. vielmehr schließen die Autoren aus den Studienergebnissen sogar, dass diese eher schädlich und nicht effektiv ist.

Ebenso rät die aktualisierte Leitlinie davon ab, Patienten mit idiopathischer Lungenfibrose (IPF) mit Vitamin-K-Antagonisten, Imatinib, Abrisentan, Bosentan oder Macitentan zu behandeln. Es konnten in den entsprechenden Studien keine eindeutigen positiven Effekte gegenüber den placebobehandelten Kontrollgruppen gezeigt werden.

Negativ: Sildenafil und Acetylcystein-Monotherapie

Weniger eindeutig, aber auch negativ bewertet werden Sildenafil und die Acetylcystein-Monotherapie. Für letztere fordern die Autoren weitere Studien, um einzelne positive Effekte zu überprüfen, die zumindest für bestimmte Krankheitstypen gelten könnten. Auch bei Sildenafil zeigten sich einige, zum Teil sogar deutliche Verbesserungen, die Autoren kritisieren jedoch einige methodische Aspekte der Studie.

Zur Behandlung von Refluxerkrankungen erhalten viele Lungenfibrose-Patienten bislang sogenannte antiazide Medikamente zur Neutralisierung der Magensäure. Man fand damit verbunden sowohl positive als auch als auch negative Auswirkungen auf den Krankheitsverlauf der Lungenfibrose. Die aktuelle Datenlage sei jedoch bislang nicht ausreichend, um den wirklichen Effekt diese Medikamente bewerten zu können, so die Leitlinienautoren. Demnach empfehlen sie diese Antazida nicht zur Behandlung der IPF.

Positiv: Nintedanib und Pirfenidon

Nintedanib und Pirfenidon werden auf Basis der neueren Studien eindeutig positiv eingestuft. Der Tyrosin-Kinase-Inhibitor Nintedanib hat den Autoren zufolge eine positive Wirkung auf den Krankheitsverlauf der IPF. So verlängere sich etwa die Zeit bis zur ersten akuten Verschlimmerung, und die Abnahme des Ausatemvolumens FVC verlangsame sich ebenfalls. Patienten mit leichter und mittelschwerer Lungenfibrose, die Pirfenidon erhalten, zeigen ebenfalls eine geringere Abnahme der Vitalkapazität und der 6-Minuten-Gehstrecke.


Quelle:

Behr, J. et al.: S2k-Leitlinie Idiopathische Lungenfibrose – Update zur medikamentösen Therapie 2017. In: Pneumologie, DOI: 10.1055/s-0043-106160. Online veröffentlicht am 30. Mai 2017


Dieser Artikel wurde mit freundlicher Genehmigung aus dem Lungeninformationsdienst, einem Angebot des Helmholtz Zentrum München – Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt übernommen.

2017-07-13T15:54:16+00:00 13. Juli 2017|Forschung aktuell|0 Kommentare

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