COPD: Übergewicht mehr Beachtung schenken

Übergewichtige Patienten mit leichter bis mittelschwerer COPD (chronisch obstruktive Lungenerkrankung) haben öfter Begleiterkrankungen und nehmen mehr COPD-Medikamente ein. Die Autoren einer aktuellen niederländischen Studie plädieren deshalb dafür, dem Gewichtsmanagement im klinischen Alltag mehr Beachtung zu schenken.

Im Rahmen ihrer Studie analysierten die Autoren die klinischen Daten von 4938 niederländischen Betroffenen mit leichter bis mittelschwerer COPD (chronisch obstruktive Lungenerkrankung). Um mögliche Zusammenhänge mit Begleiterkrankungen oder der Medikamenteneinnahme zu untersuchen, wurden die Patienten in drei Gewichtsklassen eingestuft: normalgewichtig (BMI ab 21 bis 25 Kilogramm pro Quadratmeter), übergewichtig (BMI zwischen 25 und 30 Kilogramm pro Quadratmeter) und stark übergewichtig (fettleibig/adipös; BMI ab 30 Kilogramm pro Quadratmeter).

Mehr Begleiterkrankungen und Medikamente

Verglichen mit normalgewichtigen COPD-Betroffenen, hatten Patienten mit Übergewicht und Fettleibigkeit deutlich häufiger Begleiterkrankungen wie

  • Diabetes mellitus
  • Bluthochdruck und
  • Arthrose (Osteoarthritis).

Außerdem war das Risiko für Herzversagen bei stark übergewichtigen Patienten erhöht.

Es zeigte sich auch, dass übergewichtige und adipöse Betroffene öfter Medikamente einnahmen. Besonders groß war dieser Zusammenhang bei stark übergewichtigen Patienten mit milder COPD. Diese Gruppe erhielt besonders oft Medikamente gegen COPD-Exazerbationen. Dies deute darauf hin, dass sie öfter unter Atemproblemen und akuten Verschlechterungen der Krankheit (Exazerbationen) leiden als normalgewichtige COPD-Betroffene, so die Autoren. Vorangegangene Studien hätten jedoch gezeigt, dass Atemprobleme dieser Patienten oft eher aufgrund des Übergewichts entstehen, als dass sie mit der COPD-Erkrankung zusammenhängen. So sei auch der Einsatz der COPD-Medikamente in diesem Fall weniger effektiv.

Begleiterkrankungen vermieden, Medikamente reduzieren und die Lebensqualität verbessern

Momentan fokussieren sich die GOLD-Empfehlungen (Global Initiative for Chronic Obstructive Lung Disease) hauptsächlich darauf, Gewichtsverlust bei COPD zu vermeiden, da Untergewicht besonders bei Patienten mit schwerer COPD direkt mit dem Sterberisiko zusammenhängt. Aufgrund ihrer aktuellen Ergebnisse plädieren die Autoren jedoch dafür, bei Patienten mit leichter bis mittelschwerer COPD dem Faktor Übergewicht mehr Beachtung zu schenken. Durch eine Gewichtsreduktion könnten Begleiterkrankungen vermieden, Medikamente reduziert und die Lebensqualität verbessert werden. Diese Zusammenhänge zu untersuchen, sollte auch das Ziel zukünftiger Forschungsarbeit sein, so das niederländische Team.


Quelle:

Verberne, L. D. M. et al.: Overweight in patients with chronic obstructive pulmonary disease needs more attention: a cross-sectional study in general practice. In: npj Primary Care Respiratory Medicine, online publiziert am 22. November 2017


Dieser Artikel wurde mit freundlicher Genehmigung aus dem Lungeninformationsdienst, einem Angebot des Helmholtz Zentrum München – Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt übernommen.

2018-02-08T11:20:19+00:00 15. Januar 2018|Forschung aktuell|0 Kommentare

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