Die European Respiratory Society (ERS) hat bei ihrer Jahrestagung in Mailand die erste europäische Leitlinie für Bronchiektasen bei erwachsenen Patienten vorgestellt. Die Leitlinie gibt Antworten auf neun Fragen rund um die Diagnose und Therapie bei Bronchiektasen. Nachzulesen ist sie im ‚European Respiratory Journal’.

Bronchiektasen sind Ausweitungen der Bronchien, die angeboren sein können oder in Folge chronischer Lungenerkrankungen entstehen. Eine offizielle Leitlinie zur Diagnose und Behandlung der Erkrankung gab es bisher nicht. Jetzt hat eine multidisziplinäre Expertengruppe auf Basis von Literaturdaten die erste europäische Leitlinie zum Management von Bronchiektasen bei erwachsenen Betroffenen entwickelt. Aufgrund der begrenzten Datenlage ist die Aussagefähigkeit der einzelnen Empfehlungen jedoch beschränkt.

Bronchiektasen werden im Allgemeinen anhand von Symptomen wie Husten und Auswurf und einem Nachweis von Ausweitungen der Bronchien mittels bildgebender Verfahren wie einer Computertomographie diagnostiziert. Steht die Diagnose, empfiehlt die neue Leitlinie weitere standardisierte Labortests:

  • Differentialblutbild
  • Quantitative Bestimmung der Immunglobuline im Serum
  • Tests auf eine allergische bronchopulmonale Aspergillose (ABPA).

Des Weiteren wird empfohlen, den Auswurf auf Bakterien, ggf. auch auf Mykobakterien zu untersuchen, um gegebenenfalls die richtige Antibiotika-Therapie wählen zu können.

Langfristige Antibiotikatherapie nur bei gehäuften Exazerbationen

Bei der Behandlung von Bronchiektasen steht die Bekämpfung der Symptome im Vordergrund. Für die Therapie von akuten Verschlechterungen (Exazerbationen) empfehlen die Autoren einen 14-tägigen Einsatz von Antibiotika, der aber im Einzelfall auch kürzer oder länger ausfallen kann. Treten bei Betroffenen drei oder mehr Exazerbationen pro Jahr auf, wird als vorbeugender Schutz eine langfristige Antibiotikatherapie empfohlen.

Entzündungshemmende Medikamente wie inhalative Kortikosteroide (ICS) oder Statine sollen nach der neuen Leitlinie nicht eingesetzt werden. Ausnahmen gelten  jedoch für Patienten, die zusätzlich von Asthma oder COPD betroffen sind. Ähnliches gilt für den langfristigen Einsatz von bronchienerweiternden Bronchodilatatoren. Dieser sollte nur bei signifikanter Atemnot, eingeschränkter körperlicher Belastbarkeitoder auf individueller Basis erfolgen. Bei Patienten, die Probleme beim Abhusten haben, sollte laut der Experten eine Dauertherapie mit schleimlösenden Medikamenten, z.B. inhalativer hypertoner Kochsalzlösung erwogen werden.

Physiotherapie und Lungen-Reha sinnvoll, OP nur letzte Wahl

Auch eine regelmäßige Physiotherapie zum Erlernen von Techniken zur Clearance der Atemwege oder eine Lungen-Reha wird für Patienten mit chronisch produktivem Husten bzw. eingeschränkter Leistungsfähigkeit als sinnvoll eingeschätzt. Chirurgische Eingriffe sollten die letzte Wahl sein. Sie sollten nur bei Betroffenen in Erwägung gezogen werden, die eine lokale Erkrankung haben oder die trotz optimierter Therapie häufig unter Exazerbationen leiden.


Quellen:

Polverino, E. et al.: European Respiratory Society guidelines for the management of adult bronchiectasis. In: European Respiratory Journal, online publiziert am 9. September 2017

Fath, R.: Erste europäische Leitlinie zum Management von Bronchiektasen. In: Pneumonews, Springer Medizin, 2017, Ausgabe 6


Dieser Artikel wurde mit freundlicher Genehmigung aus dem Lungeninformationsdienst, einem Angebot des Helmholtz Zentrum München – Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt übernommen.