Luftschadstoffe und Gesundheit

Die Diskussion um Luftschadstoffe, deren gesundheitliche Auswirkungen und Schadstoffgrenzwerte ist in Deutschland derzeit groß. Führende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben nun eine kurze Expertise zur „Rolle der Luftschadstoffe für die Gesundheit“ veröffentlicht. Darin werden die Auswirkungen auf die Gesundheit und der aktuelle Stand zu Richt- und Grenzwerten dargestellt und aktuelle Diskussionspunkte aufgegriffen. Diese Expertise wird von der Internationalen Gesellschaft für Umweltepidemiologie und der European Respiratory Society unterstützt.

Feinstaub, Ozon und Stickstoffdioxid sind laut Aussage der Experten, die Luftschadstoffe, die die Gesundheit in erster Linie gefährden. Die Wirkungen beginnen in der Lunge, können aber Auswirkungen auf den gesamten Körper haben. Denn zum Teil können ultrafeine Partikel nicht nur in die kleinsten Atemwege und Lungenbläschen eindringen, sondern auch in den Blutkreislauf und so zu anderen Organen gelangen, heißt es in der Expertise. Einmal im Gewebe angekommen, führen verschiedene Prozesse zu oxidativem Stress und Entzündungsreaktionen im ganzen Körper.

Welche Krankheiten können durch Luftschadstoffe verursacht werden?

So könne Feinstaub Lungenerkrankungen und Herzkreislauferkrankungen auslösen und damit die Lebenserwartung verkürzen, heißt es im Papier. Besonders die Evidenz für Lungenkrebs und Herzkreislauferkrankungen gelte inzwischen als „kausal gesichert“. Mit diesem Begriff werden solche Zusammenhänge bezeichnet, für die es ausreichend Studien gibt, in denen zufällige Zusammenhänge, Verzerrungen oder andere Störgrößen ausgeschlossen werden können und die bei umweltrelevanten Schadstoffkonzentrationen vorkommen.

Ebenfalls als kausal eingestuft wurde, dass Ozon kurzfristig zu einer erhöhten Sterblichkeit aufgrund von Atemwegskrankheiten, zu mehr atemwegsbedingten Notfallsituationen und Krankenhauseinweisungen führt. Und Stickstoffdioxid die Gesundheit bei Asthmatikern verschlechtert. Neuere Studien würden außerdem auf einen Zusammenhang mit Herzkreislauferkrankungen und Diabetes hinweisen.

Zudem würden die neueren Studien auch Wirkungen der Schadstoffe unterhalb der gegenwärtig geltenden Grenzwerte dokumentieren.

Um die langfristigen Auswirkungen von Luftschadstoffen auf die Gesundheit abzuschätzen, werden allgemein große epidemiologische Beobachtungsstudien herangezogen, die oft auch Risikogruppen wie Kinder oder kranke Personen mit einschließen. Außerdem weisen die Experten auch darauf hin, dass qualitativ hochwertige epidemiologische Studien immer auch andere Risikofaktoren für Erkrankungen wie zum Beispiel Rauchen, mangelnde körperliche Bewegung, Ernährung, Bildung oder das Einkommen sehr genau berücksichtigen.

Stellungnahmen zu aktuellen Diskussionspunkten

In ihrer Expertise gehen die Forschenden auch auf aktuelle Diskussionspunkte ein, nehmen zu folgenden Behauptungen Stellung und entkräften sie:

  • „Rauchen ist viel giftiger und die Dosis viel höher. Deshalb kann bei der vergleichsweise niedrigen Dosis der Luftverschmutzung kein Schaden entstehen“
  • „Es fehlt ein typisches Vergiftungsmuster“
  • „Die Studien berücksichtigen andere Risikofaktoren nicht und führen deshalb zu viel zu hohen Krankheitslasten“
  • „Tote durch Feinstaub oder Stickoxide gibt es nicht“
  • „Die Grenzwerte in den USA für Stickstoffdioxid sind mehr als doppelt so hoch. Deshalb kann Stickstoffdioxid gar nicht so schlimm sein“

Die Experten-Antworten auf diese Aussagen und die gesamte Expertise können Sie hier nachlesen: Die Rolle der Luftschadstoffe für die Gesundheit (PDF)


Quelle:

Peters, A. et al.: Die Rolle der Luftschadstoffe für die Gesundheit – Eine Expertise im Namen der Internationalen Gesellschaft für Umweltepidemiologie (ISEE) und der European Respiratory Society (ERS)


Dieser Artikel wurde mit freundlicher Genehmigung aus dem Lungeninformationsdienst, einem Angebot des Helmholtz Zentrum München – Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt übernommen.

2019-02-18T11:21:51+00:0031. Januar 2019|Aus der Praxis|0 Kommentare

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