Lungenfibrose: Gene sagen den Krankheitsverlauf vorher

Nach einer aktuellen Studie in der Fachzeitschrift ‚American Journal of Respiratory and Critical Care‘ kann die Aktivität von nur sechs Genen den Verlauf einer idiopathischen Lungenfibrose vorhersagen. Die Studie trage zu einem besseren Verständnis dieser schweren Lungenkrankheit bei, so die Autoren.

Die idiopathische Lungenfibrose, kurz IPF, gibt Forschenden noch immer viele Rätsel auf. Die Ursachen der oft sehr aggressiv verlaufenden Lungenkrankheit sind nicht bekannt. Der Verlauf der IPF ist von Patient zu Patient sehr unterschiedlich und nicht allgemein vorhersagbar. Ein internationales Wissenschaftsteam hat nun untersucht, ob sich mit der Aktivität verschiedener Gene (Genexpression) der Krankheitsverlauf und damit das Sterberisiko vorhersagen lässt. Die Forschenden untersuchten dafür Lungenzellen, die aus einer bronchoalveolären Lavage (BAL) von 212 IPF-Betroffenen gewonnen wurden. Die Genaktivitätsmuster dieser Zellen verglichen sie mit dem von Zellen von Gesunden sowie von COPD- und Sarkoidose-Betroffenen.

Durch den Vergleich mit den Kontrollzellen konnten zunächst weit über 1.500 Gene identifiziert werden, die bei IPF-Patienten mit der voraussichtlichen Überlebensperspektive zusammenhängen. Mit Hilfe statistischer Vorhersagemodelle identifizierten die Wissenschaftler schließlich sechs Gene, mit denen eine stabile Risikoeinstufung vorgenommen werden konnten. Diese sechs Gene allein waren ausreichend, um die Überlebensperspektive besser vorherzusagen als der üblicherweise verwendete sogenannte GAP-Index. Für diesen Index werden bisher ausschließlich klinische Parameter berücksichtigt, um den Krankheitsverlauf der IPF vorherzusagen.

Idiopathische Lungenfibrose besser verstehen

Durch die Kombination aus GAP-Index und der neuen Risikoeinstufung mit Hilfe der Genaktivität könne der Krankheitsverlauf nun mit einer deutlich höheren Genauigkeit vorhergesagt werden, so die Autoren der Studie. Auch für die Patienten biete dies ihrer Ansicht nach einen erheblichen Mehrwert.

Durch die Studie wisse man nun auch mehr über die molekularen Veränderungen in den Lungenzellen, heißt es in der Pressemeldung zur Studie. Zusätzlich zeigen die Ergebnisse erstmals, dass bronchiale Basalzellen, aus denen sich das Atemwegsepithel entwickelt, maßgeblich an der Entwicklung der idiopathischen Lungenfibrose beteiligt sind. Diese Erkenntnis könnte langfristig zu einer besseren Behandlung dieser insgesamt noch wenig verstanden Erkrankung führen.


Quellen:

Prasse, A. et al.: BAL Cell Gene Expression is Indicative of Outcome and Airway Basal Cell Involvement in IPF. In: American Journal of Respiratory and Critical Care, 24.8.2018

BREATH – Standort des Deutschen Zentrums für Lungenforschung: Sechs Gene sagen den Verlauf der Lungenfibrose vorher. Pressemitteilung vom 29.10.2018


Dieser Artikel wurde mit freundlicher Genehmigung aus dem Lungeninformationsdienst, einem Angebot des Helmholtz Zentrum München – Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt übernommen.

2018-11-15T10:29:31+00:005. November 2018|Forschung aktuell|0 Kommentare

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